Hannover, 08. September 2008
Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) hat heute eine neue modellhafte Form der Intensivbetreuung für Menschen mit schwerster Demenz vorgestellt.
Das Projektziel der Pflegeoase im Seniorenzentrum Holle ist es, „bei schwer dementen Bewohnern zu mehr Menschlichkeit zu kommen“, sagte die Ministerin. Das Sozialministerium unterstützte das unter die Experimentierklausel des Heimgesetzes fallende, bundesweit erste wissenschaftlich begleitete Projekt dieser Art mit 50.000 Euro.
Die Pflegeoase ist als Nischenangebot für spezielle Zielgruppen zu verstehen und hebt sich von anderen Versorgungsformen durch eine gemeinschaftliche Betreuung einer kleinen Gruppe von Bewohnern und kontinuierliche Präsenz der Pflegefachkräfte ab.
Im Seniorenzentrum Holle im Landkreis Hildesheim werden seit 2006 Menschen mit schwerer Demenz in einem gemeinschaftlich genutzten Wohn- und Lebensbereich betreut. Sechs Bewohner teilen sich etwa 100 Quadratmeter und werden 14 Stunden am Tag von einer Pflegefachkraft beobachtet und betreut. „Wir haben festgestellt, dass das von Angehörigen und der Politik vielfach geforderte Einzelzimmer für bestimmte Bewohner kein geeignetes Umfeld ist“, sagt Heimleiter Peter Dürrmann. Kernpunkt des Projektes war nach Dürrmanns Worten, dass das Pflegekonzept mit Angehörigen zusammen entwickelt wurde. Die Rückmeldungen der Angehörigen waren auch für die wissenschaftliche Begleitung durch das Institut Demenz Support Stuttgart wichtig. „Die Angehörigen sind mit der Pflegeoase vor allem wegen der ständigen Präsenz einer Pflegefachkraft zufrieden“, erklärt Dr. Anja Rutenkröger von Demenz Support. Ihr Fazit lautet: Die Umsetzung einer Pflegeoase ist bei entsprechenden Bedingungen auch für andere Pflegeeinrichtungen zu empfehlen.
„Die Ergebnisse sprechen für sich“, sagte Ministerin Ross-Luttmann. „Wenn zum Beispiel Bewohner vermehrt auf Ansprache reagieren und ihre Sinneswahrnehmungen, die Beweglichkeit und Nahrungsaufnahme steigern konnten, dann sind das für mich ermutigende Ergebnisse.“ Heimleiter Dürrmann zeigte an Fotos die praktische Umsetzung: Eine ältere Dame schiebt einen Kinderwagen vor sich her. „Dafür haben wir die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um diese Bewegungsmöglichkeiten zu fördern“. Dürrmann weiß auch, dass die Pflegeoase nicht unbedingt ein Werbeträger ist. „Denn die meisten verlangen ein Einzelzimmer für ihre zu pflegenden Angehörigen.“ Das Projekt habe gezeigt, dass spezielle Pflegebedürftige auch besonderer Versorgungsangebote bedürfen. „Das Sozialministerium Niedersachsen wird schauen, welche weiteren alternativen Betreuungsformen geeignet erscheinen. Wir richten in Zukunft auch unseren Blick auf das ehrenamtliche Engagement“, sagte Ross-Luttmann. Die Einbildung von Langzeitarbeitslosen hält sie bei entsprechender persönlicher Eignung, einer absolvierten Fortbildung und einem Praktikum in einem Heim für „eine Chance für zusätzliche menschliche Zuwendung.“ Die Ministerin unterstrich: „Pflege wird von Pflegefachkräften geleistet. Das muss nach wie vor gelten.“
Auf der nächsten Sitzung des Landespflegeausschusses soll das Konzept der Pflegeoase nach dem Willen von Sozialministerin Ross-Luttmann unter anderem den Pflegekassen und Wohlfahrtsverbänden vorgestellt werden.
Weitere Informationen:
http://www.demenz-support.de/
http://www.sz-holle.de/
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