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Ersatzkassen-Forum zur Palliativversorgung in Niedersachsen

Hannover, 22. November 2007

Mechthild Ross-Luttmann
Mechthild Ross-Luttmann
 

„Palliativversorgung ist humane Sterbebegleitung. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Sterben in Würde“, sagte heute Niedersachsens Sozialministerin Ross-Luttmann (CDU).

Zusammen mit den Ersatzkassenverbänden hatte das Ministerium Fachleute aus dem Gesundheitswesen zum Forum „Palliativversorgung in Niedersachsen“ in Hannover eingeladen. „Die Palliativversorgung ist ein besonderes Anliegen der Landesregierung. Sie widmet sich dem Leben und betrachtet das Sterben als einen Vorgang, der zum Leben gehört, und der weder beschleunigt noch verzögert werden sollte. Sie sorgt für eine Erleichterung der Schmerzen und anderer quälender Symptome und bietet zugleich Unterstützung bis zum Tod.“

Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann wies darauf hin, dass die Initiative der Landesregierung vor Ort auf große Resonanz gestoßen sei und bisher bereits zur Gründung von 23 Palliativstützpunkten geführt habe. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und wollen bis Ende nächsten Jahres bis zu 40 Palliativstützpunkte in Niedersachsen gegründet haben. Wir dürfen und wollen die Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt nicht allein lassen. Und dabei müssen wir auch die Angehörigen sterbender Menschen im Blick haben“, so Ross-Luttmann. Im Zeitraum von 2006 bis 2012 fördert das Land mit voraussichtlich 2,2 Millionen Euro.

Gesetzlich Krankenversicherte haben seit 1. April Anspruch darauf, im Fall einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit eng begrenzter Lebenserwartung so versorgt zu werden, dass sie bis zuletzt zu Hause bleiben können. Dabei geht es um zusätzliche ärztliche und pflegerische Leistungen, die bei Bedarf rund um die Uhr erbracht werden, aber auch um Koordination der Versorgung und Beratung. „Wir wollen den Betroffenen die Angst nehmen, mit ihren Schmerzen alleine dazustehen. Und die Angehörigen sollen wissen, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können“, sagte der Leiter der Ersatzkassenverbände VdAK/AEV in Niedersachsen, Jörg Niemann.

Vertragspartner der Krankenkassen werden Palliativ-Care-Teams, die es bislang in der Vertragsversorgung noch nicht gibt. In den Teams arbeiten Ärzte, Krankenhäuser und Pflegedienste zusammen, die ihrerseits mit Pflegeheimen und Hospizen kooperieren. Mögliche Initiatoren dieser Teams könnten die vom Land geförderten Palliativstützpunkte sein, die bislang an 23 Standorten tätig sind. „Damit haben wir vielleicht schon so etwas wie eine Blaupause für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung im Land“, sagte der VdAK/AEV-Landeschef.

Die Krankenkassen in Niedersachsen werden für die neue Leistung in einem wachsenden Prozess jährlich mehr als 20 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen. „Mit diesem Geld lässt sich eine Menge bewegen“, sagte Niemann. Allerdings gehe es nicht darum, bestehende Leistung doppelt zu vergüten oder schematisch Strukturen zu finanzieren, sondern eine erfahrbar neue Qualität der Versorgung zu erreichen. „Wir starten bei der Palliativversorgung nicht bei Null.“

Sozialministerin Ross-Luttmann sagte, der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen sei gesetzlich dazu aufgerufen, die gewachsenen Versorgungsstrukturen zu berücksichtigen. „Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses muss ermöglichen, hier in Niedersachsen die in den Palliativstützpunkten bereits vorhandenen Strukturen in eine Vertragsgestaltung mit den gesetzlichen Krankenkassen einzubeziehen.“

Darüber hinaus setzt sich Ross-Luttmann dafür ein, die bislang immer noch restriktive Verordnungspraxis von Morphinen bei Sterbenskranken auf den Prüfstand zu stellen. „Der Gedanke dass Abhängigkeit entsteht ist bei Todkranken zu vernachlässigen. Es geht um die Schmerzfreiheit und Sterben in Würde, wie es in zunehmendem Maße den Patienten in Hospizen ermöglicht wird.“


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