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Höhere Ausgaben für Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel und Verwaltung erwartet

Berlin, 17. September 2008

Institut befürchtet Mehrausgaben für Arzneimittel.
Institut befürchtet Mehrausgaben für Arzneimittel.
 

Für die gesetzlichen Krankenkassen werden vor Einführung des Gesundheitsfonds weitere Kostensteigerungen befürchtet.

Nach einem Bericht der Bild am Dienstag wird mit Kosten von bis zu 2,50 Euro pro Monat und Mitglied für den Einzug eventueller Zusatzbeiträge gerechnet. Diese können Krankenkassen künftig erheben, wenn sie mit dem zugewiesenen aus dem Gesundheitsfonds ab 2009 nicht auskommen. Für den Aufbau von Versichertenkonten, Mahnverfahren und der entsprechenden Einzugslogistik entstünden Mehrkosten. Auch die individuelle Einkommensprüfung führe nach Angaben von Udo Barke, Sprecher des AOK Bundesverbandes, zu Mehrkosten. Diese Einschätzung wies der Sprecher des Bundesgesundheitsministerium, Klaus Vater, zurück.

Das Berliner IGES-Institut rechnet einer Studie zufolge in diesem Jahr mit Steigerungen der Arzneimittelausgaben um 5,5 Prozent. Für das nächste Jahr sagt das im Auftrag des Verbands forschender Arzneimittelhersteller arbeitende Institut einen Zuwachs von 8,1 Prozent voraus. Der GKV-Spitzenverband wies diese Prognose zurück. „Man hat den Eindruck, hier würden dauerhaft hohe Steigerungsraten herbeigeredet, um langfristig den Boden für weiter steigende Arzneimittelkosten zu bereiten“, sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Für Heilmittel wie Physiotherapie, Sprachtherapie oder Ergotherapie gab die GEK im Jahr 2007 rund 83 Millionen Euro aus, für Hilfsmittel, das sind technische Produkte wie Bandagen, Schuheinlagen oder Hörhilfen, rund 81 Millionen Euro. Die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr beträgt damit 5,56 Prozent für Heilmittel und 9,45 Prozent für Hilfsmittel. Das geht aus dem aktuellen Heil- und Hilfsmittelreports der Gmünder ErsatzKasse GEK hervor, der gestern in Berlin präsentiert wurde.

Die Versorgungsforscher vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) unter der Leitung von Professor Dr. Gerd Glaeske stellten neben hohen Ausgabenzuwächsen auch Mängel in der Behandlung von Brustkrebspatientinnen, Diabetikern und Arthrosepatienten fest. Der GEK Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf-Ulrich Schlenker unterstrich: "Heil- und Hilfsmittel kommen immer häufiger zum Einsatz und verzeichnen mittlerweile höhere Ausgabenzuwächse als Ärzte und Krankenhäuser. Leider ist der Markt noch ziemlich undurchsichtig."
Professor Gerd Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, bekräftigte von wissenschaftlicher Seite: "Wer diesen Bereich unter die Lupe nimmt, wird schnell fündig." In einer Reihe von alters- und indikationsspezifischen Einzelanalysen geht das Forscherteam um Glaeske auf vielfältige Versorgungsauffälligkeiten ein. So zeige die Teststreifenversorgung von Diabetikern Typ-1 zur Blutzuckermessung erstaunlich hohe Verordnungsmengen, große Preisunterschiede und auffällige Verteilungsmuster.

Die Mitautorin des Reports, Dr. Maria Beckermann, machte auf einen speziellen Fall von gleichzeitiger Unter- und Überversorgung bei Brustkrebspatientinnen aufmerksam. Kompression und manuelle Lymphdrainage gehörten zur Therapie des sekundären Lymphödems nach einer Brustkrebsoperation. Allerdings sei nur bei 28 Prozent der behandelten GEK Versicherten die optimale Therapie zum Einsatz gekommen (Kompression mit oder ohne Lymphdrainage), während 46 Prozent nur die Lymphdrainage erhalten hätten und 26 Prozent gar nicht therapiert worden wären.

Der aktuelle Heil- und Hilfsmittelreport kann auf der Interseite des GEK herunter geladen werden: www.gek.de/x-medien/dateien/magazine/Heil-und-Hilfsmittel-Report-2008.pdf


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