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Ärztekammern stehen wegen Online-Schulungen von Pharmafirmen in der Kritik

Berlin, 03. Juli 2008

Online-Schulungen von Pharma-Firmen in der Kritik: Das Foto zeigt die Bedienung einer Computer-Maus.
Online-Schulungen von Pharma-Firmen in der Kritik: Das Foto zeigt die Bedienung einer Computer-Maus.
 

Das Bundeskartellamt ist auf Internet-Fortbildungen für Ärzte aufmerksam geworden, die offensichtlich von der Pharmaindustrie beeinflusst wurden.

Die Kartellbehörde kritisiert die Genehmigungspraxis von Landesärztekammern für diese Kurse.

Nach einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung bieten Pharmaunternehmen kostenlose Fortbildungskurse im Internet an, für die die Ärztekammern grünes Licht gegeben haben sollen. Seit der Gesundheitsreform 2004 sind Ärzte verpflichtet, alle fünf Jahre nachzuweisen, dass sie ihre Fortbildungsverpflichtung erfüllt haben. Jeder muss innerhalb von fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte nachweisen. Das Reformgesetz legte zudem fest, das ärztliche Fortbildungen frei von Anbieterinteressen sein müssen. Die Ärztekammern sind zuständig für die Zertifizierung der Schulungsangebote.
Bereits im August 2007 machte das NDR-Magazin „Panorama“ auf einen mutmaßlichen Verstoß gegen § 95d SGB V aufmerksam. Der Paragraph regelt, dass die Ärztefortbildung frei von wirtschaftlichen Interessen sein soll.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, erwägt nun das Bundeskartellamt, den Ärztekammern per Unterlassungsverfügung zu verbieten, solche Kurse zu genehmigen.
Das Kartellamt kritisiert, dass durch derartige Schulungen die Marktmacht der Pharmakonzerne noch wachsen könne. Die Bundesärztekammer wehrt sich gegen die Vorwürfe, schreibt die Süddeutsche. Man könne die Kritik an den interessengeleiteten Schulungen der Arzneimittelhersteller nur bedingt nachvollziehen. "Objektive Produktinformationen durch die Industrie sind durchaus notwendig, wenn sie ausgewogen sind", zitiert die Zeitung den für Weiterbildung zuständigen Vorstand Franz-Joseph Bartmann.

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland eine Initiative, die sich gegen den Einfluss der Pharmaindustrie wehrt. Das MDK Magazin berichtet in der aktuellen Ausgabe über einen Zusammenschluss von behandelnden Ärzte, die neutral bleiben wollen. Lesen Sie im Download den Artikel von Magazin-Reporterin Friederike Geisler (MDK Niedersachsen) über MEZIS – „Mein Essen Zahle Ich Selbst“.

 

» Artikel aus dem MDK Forum 2.2008 zur Initiative unbestechlicher Ärzte (0,92 MB)
Lesen Sie mehr zum Thema im Artikel aus dem MDK Forum 2.2008: "Mein Essen zahl' ich selbst".
Veröffentlicht am: 03. Juli 2008

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