Berlin, 06. November 2009
70 Prozent der Beschäftigten sind im vergangenen Jahr krank zu Arbeit gegangen. Das geht aus dem AOK-Fehlzeiten-Report hervor. Immer öfter sind psychische Erkrankungen für Fehltage verantwortlich.
Gleichzeitig haben 2008 die krankheitsbedingte Fehlzeiten zugenommen: Wie aus dem Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht, waren die 9,7 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmer durchschnittlich jeweils 17 Tage krankgeschrieben. 2007 waren es noch 16,3 Tage. Für die Zunahme der Fehlzeiten seien neben einem Anstieg von Krankheiten des Atmungssystems die seit Jahren zunehmenden Fälle psychischer Erkrankungen verantwortlich. Diese verursachen dem Report zufolge zugleich die längsten Ausfallzeiten. Fehle ein Arbeitnehmer aufgrund einer Atemwegserkrankung durchschnittlich 6,4 Tage, seien es bei einer psychischen Erkrankung 22,5 Tage. Die Erkrankung stelle sowohl für Betroffene als auch für das Unternehmen eine große Belastung dar. Der Fehlzeiten-Report 2009 zeigt auf, wie Unternehmen die Gesundheitsressourcen der Mitarbeiter stärken und Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren können.
Bei Frauen nehmen den Angaben zufolge Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen mit 11,1 Prozent bereits den dritten Rang ein (Männer: 6,3 Prozent). Frauen litten am häufigsten unter depressiven Erkrankungen, während sich bei Männern verstärkt psychische Folgeprobleme des übermäßigen Alkohol- und Tabakkonsums zeigten. Mit steigendem Alter nehme die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen zu. Der Blick auf einzelne Branchen offenbare zudem erhebliche Unterschiedet: In der öffentlichen Verwaltung sowie im Dienstleistungsbereich entfielen jeweils 11,2 Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle) je 100 AOK-Mitglieder auf psychische Erkrankungen. Bei Banken und Versicherungen seien es 10,6, im Baugewerbe 5,2 Fälle.
Probleme durch Arbeitsplatzunsicherheit
Eine im Fehlzeiten-Report 2009 vorgestellte Studie unter knapp 2.000 Arbeitnehmern zeigt, dass Arbeitsplatzunsicherheit häufig mit einem höheren Arzneimittelverbrauch, vermehrtem Alkoholkonsum, aber auch mit weniger sozialen Kontakten verbunden ist. Auch seien mehr als 70 Prozent der befragten gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten 2008 krank zur Arbeit gegangen oder hätten zur Genesung das Wochenende abgewartet. Immerhin knapp 30 Prozent seien gegen den Rat des Arztes weiter zur Arbeit gegangen. Als Grund für die unterlassene Krankmeldung nannten sie, dass die Arbeit liegen bleibe. Fast 20 Prozent hätten Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. "Vor dem Hintergrund auch dieser neuen Ergebnisse ist es wichtig, nicht nur die Belastungen im beruflichen Umfeld zu reduzieren, sondern auch die Ressourcen und den Umgang mit Stress bei jedem Einzelnen zu stärken", so Schröder weiter. Gesetzliche Krankenkassen böten hier zahlreiche Angebote im betrieblichen Kontext und erreichten damit jährlich mehr als 500.000 Beschäftigte.
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