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Schmidt eröffnet Institut für Patientensicherheit - Jonitz neuer APS-Vorsitzender

Bonn, 09. Mai 2009

Prof. Matthias Schrappe (li.), Dr. Jörg Lauterberg, Ministerin Ulla Schmidt bei der Eröffnung des Instituts für Patientensicherheit am 8. Mai in Bonn.
Prof. Matthias Schrappe (li.), Dr. Jörg Lauterberg, Ministerin Ulla Schmidt bei der Eröffnung des Instituts für Patientensicherheit am 8. Mai in Bonn.
 

Bei der Feier am 8. Mai in Bonn sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Die Eröffnung eines eigenes Instituts ist ein Meilenstein für die Patientensicherheit.“

Das Institut für Patientensicherheit (IfPS) als Teil der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn hatte bereits zum Jahresbeginn 2009 kommissarisch seine Arbeit aufgenommen. Die Arbeitsschwerpunkte liegen in der Evaluation der Wirksamkeit von Empfehlungen zur Prävention von unerwünschten Ereignissen, in der Entwicklung von Messinstrumenten zur Erfassung der Patientensicherheit und von Patientensicherheitsindikatoren sowie in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema „Sicherheitskultur in Gesundheitseinrichtungen“.

Der Stiftungsstuhl wird für die ersten fünf Jahre mit 2,5 Millionen Euro vom Bundesgesundheitsministerium und mehr als 30 Förderern des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) finanziert. Die Verdienste des Aktionsbündnisses hob Ministerin Schmidt in ihrem Grußwort hervor: „Das Bündnis hat große Pionierarbeit auf dem Gebiet der Patientensicherheit geleistet.“ Die vor einem Jahr herausgegebene Broschüre „Aus Fehlern lernen“ habe nach Einschätzung Schmidts zu einer neuen Offenheit im Umgang mit Fehlern in der Medizin geführt. Schmidt sprach sich dafür aus, das Thema Patientensicherheit vermehrt in die Ausbildung von Medizinern und Pflegepersonal zu etablieren. Genau dies konnte Prof. Thomas Klockgether, Dekan der Medizinischen Falkultät, für die Studiengänge in Bonn zusagen. Wenn wir die vielen Aktivitäten zur Patientensicherheit nun auf eine wissenschaftliche Basis stellen, „geht es nicht darum, alle Ärzte unter Generalverdacht zu stellen, sondern die Qualität der Behandlung zu verbessern“, sagte Prof. Klockgether.

Die meisten Fehler im ambulanten Bereich
Experten schätzen, dass etwa 17.000 Patienten in Deutschland im Jahr durch vermeidbare Behandlungsfehler ihr Leben verlieren. Anders als oft angenommen, passierten die meisten Fehler nicht im Krankenhaus, sondern bei der ambulanten Behandlung, erklärte Prof. Burkhard Madea vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität Bonn. Als häufigste Indikationen nannte Prof. Madea unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Infektionen.

Im OP werden etwa 300 Fremdkörper vergessen
Prof. Hartmut Siebert, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), geht seinen Analysen zufolge davon aus, dass es in Deutschland pro Jahr zu etwa 300 unbeabsichtigt belassenen Fremdkörpern bei Operationen kommt. Damit zum Beispiel keine Kompressen, Nadeln und Bauchtücher im Körper des Patienten zurückgelassen werden, empfiehlt Prof. Siebert in einem im September erscheinenden Faltblatt für OP-Bedienstete, das Zählen von Tupfern und Co. zur Teamarbeit zu machen. „Am besten ist das 6-Augen-Prinzip“, sagte der Chirurg aus Schwäbisch Hall. Die Gefahr, dass Fremdkörper hinterlassen werden, steige zum Beispiel beim Wechsel des chirurgischen Teams. Die Ursachen sind hauptsächlich im Faktor Mensch (human factors) zu sehen.

Bundesweites CIRS erwartet
Damit Fehlerursachen systematisch erkannt werden könnten, setzen viele Kliniken bereits ein Meldesystem wie Critical Incident Reporting System (CIRS) ein. Noch für dieses Jahr kündigte Prof. Dieter Hart, Institut für Gesundheits- und Medizinrecht an der Universität Bremen, ein einheitliches Krankenhaus-CIRS für Deutschland an.

Weitere Instituts -Projekte
Neben dem wissenschaftlichen Arbeitsprogramm verfolgt das IfPS auch das Ziel, das Thema Patientensicherheit in der studentischen Lehre und in der Ausbildung der anderen Gesundheitsberufe zu stärken. Hierzu setzt man auf praktische Unterweisung durch Simulationen und Teamtraining, aber auch auf die mehrstufige Integration des Themas in den Unterricht der einzelnen Fächer.

Um das praktische Training mit den Teams in den Klinik-Abteilungen geht es in dem von der KKH-Allianz und dem MDK Niedersachsen neu aufgelegten Patientensicherheits-Programm. In einem auf etwa zwei Jahre ausgerichteten Projekt arbeiten Experten aus Medizin und Luftfahrt mit den Mitarbeitern in den Klinikabteilungen unter anderem am Thema Human factors. Vorgesehen ist auch das Üben von kritischen Situationen im Team am Patientensimulator.

Prof. Jonitz neuer Vorsitzender
Die Mitgliederversammlung des Aktionsbündnisses wählte am 8. Mai Prof. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, zum neuen Vorsitzenden des Aktionsbündnisses. Prof. Jonitz löst Prof. Matthias Schrappe ab. Zum Geschäftsführer wurde Dr. Jörg Lauterberg gewählt, der zugleich Dirktor des neuen Instituts für Patientensicherheit ist. Der MDK Niedersachsen ist Mitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit.

» Krankenhaushygiene - Mehr als nur Hände waschen  (1,65 MB)  

Die Krankenhaushygiene ist ebenfalls Bestandteil des Patientensicherheits-Konzeptes. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat im vergangenen Jahr die „Aktion Saubere Hände“ ins Leben gerufen, an der mittlerweile 500 deutsche Kliniken teilnehmen. Auch Dr. Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene beschäftigt sich mit den – teils besorgniserregenden – Zuständen in den Kliniken. Im Audio-Interview (Länge: 4 Min. 6 Sek.) berichtet der Krankenhaushygieniker unter anderem von den Folgen mangelnder Hände-Desinfektion.

 





Stand: 11. Mai 2009
Veröffentlicht am: 08.05.2009

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