Essen, 08. Januar 2009
Die Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) ermittelte große Kostenunterschiede zwischen den Bundesländern.
"Der einheitliche Beitragsatz könnte um 0,6 bis 1 Prozentpunkte niedriger liegen, ohne dass es zu Qualitätseinbußen im Gesundheitswesen kommt", sagt Studienautor Prof. Dr. Stefan Felder von der Universität Duisburg-Essen. Die Beitragssteigerung auf einheitlich 15,5 Prozent zu Beginn dieses Jahres sei unnötig.
Dies äußere sich in überhöhten Preisen und zu hohen Fallzahlen bei Leistungen der Krankenhäuser und Arztpraxen, Überkapazitäten bei Krankenhäusern und überzogenen Handelsmargen bei Arzneimitteln.
Untersucht wurden die stationäre und ambulante Versorgung sowie der Arzneimittelbereich. Die drei Sektoren machten zusammen 72 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus.
Die Studie vergleicht die zum Teil erheblich unterschiedlichen Preise und Mengen medizinischer Leistungen in den 16 Bundesländern. Das Einsparvolumen errechnet sich, wenn jeweils das Preis- und Mengenniveau der teuren Bundesländer auf das Niveau der günstigeren gesenkt wird. Im konservativen Szenario A nehmen die Autoren als Referenzmarke für Einsparungen das durchschnittliche Preis- bzw. Mengenniveau aller Bundesländer. Dabei errechneten sie ein Einsparvolumen von 5,6 Mrd. Euro. Im optimistischen Szenario B dient jenes Bundesland als Referenzmarke, dessen Preis- bzw. Mengenniveau in der Mitte zwischen dem günstigsten und dem Durchschnitt aller Bundesländer liegt. Dabei ergab sich ein Einsparvolumen von 9,8 Milliarden Euro.
Die Kosten für Leistungen in den Krankenhäusern unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland sehr stark. So werde von den Kassen beispielsweise die Behandlung einer akuten Blinddarm-Entzündung in einem Krankenhaus in Rheinland-Pfalz um zehn Prozent höher erstattet als in Schleswig-Holstein. Andererseits gebe es Bundesländer, in denen die Bürger auffällig häufig ein Krankenhaus aufsuchen, um 13 Prozent häufiger als im Bundesdurchschnitt. Die Studie nennt das Saarland als Beispiel.
Krankheitsrisiken wie Alter und Geschlecht, die in den Bundesländern unterschiedlich stark verteilt sind, seien für diese Unterschiede nicht ursächlich. Sie wurden beim Vergleich der Effizienzreserven herausgerechnet.
Auch im ambulanten Bereich gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. So werde die Leistung von Ärzten in Hamburg um 42 Prozent höher vergütet als in Niedersachsen. Durch eine Reduktion des Punktwertes in der Ärztevergütung könnte das Bundesland Hamburg die Ausgaben pro GKV-Versicherten von heute 362 Euro im konservativen Szenario um 56 Euro, im optimistischen Szenario sogar um 76 Euro senken, heißt es in der Studie. Zusätzlich existierten große Unterschiede in der Anzahl der Arztbesuche und der verschriebenen Leistungen. Bayern könnte 14 Prozent einsparen, wenn es den Umfang vertragsärztlicher Leistungen auf den Bundesdurchschnitt reduzieren würde.
Ein weiteres Einsparpotential bestehe bei den Arzneimittelausgaben. Dies treffe besonders auf die neuen Bundesländer zu, wo die Ausgaben pro Kopf bis zu 60 Euro über den Bundesdurchschnitt von 403 Euro liegen. "Mit mehr Wettbewerbselementen, insbesondere einem Preiswettbewerb, und einem besseren Kostenmanagement könnten die Kassen in den drei Hauptbereichen der medizinischen Versorgung bis zu 9,8 Milliarden. Euro sparen", sagt Studienautor Dr. Boris Augurzky vom RWI Essen.
Die Studie stieß unter anderem bei Ärztevertretern auf starken Widerspruch. Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, bezeichnete die Studie gegenüber der Presse als „höchst fragwürdig“. Die Schlussfolgerungen der heute vorgelegten Studie sei Gesundheitspolitik auf Stammtischniveau, ohne die Konsequenzen zu bedenken, sagte Henke.
Der GKV-Spitzenverband forderte mehr Wettbewerb in der stationären Versorgung. Individuell verhandelte Verträge mit Kliniken und Ärzten könnten die Effizienz steigern. In der Krankenhausreform fehle dieser Aspekt aber völlig, sagte eine Sprecherin.
Mediathek
26. Januar 2012
Allergiefrei durch Leben auf dem Bauernhof
26. Januar 2012
Geburtsort Straßenecke
News 
24. April 2012
Qualitätsfortschritte in der Pflege
10. April 2012
Gesundheitsausgaben 2010 auf rund 287 Milliarden Euro gestiegen
27. März 2012
Neuer Pflegebedürftigkeits-Begriff gefordert
Suchen Sie den Medizinischen Dienst eines bestimmten Bundeslandes, wählen Sie bitte aus: