Mainz, 11. Februar 2010
In einem rheinland-pfälzischen Modellprojekt sollen Pflegekräfte ärztliche Leistungen delegieren können. Die Landesärztekammer lehnt dieses Vorhaben ab.
In einem Kaiserslauterner Klinikum sollen die Pflegekräfte der Nephrologie (Innere Medizin) in bestimmten Bereichen eigenständig ohne Absprache mit dem Arzt handeln können. So werden sie die Möglichkeit haben, die Amnesieerhebung, die Anordnung verschiedener Therapien anhand von Behandlungsplänen sowie Verlaufskontrolle und Ergebnissicherung dieser Therapie, die Übernahme der täglichen Visite, Anordnung, Durchführung und Bewertung von Laboruntersuchungen, körperliche Untersuchungen sowie die Festlegung des Entlassdatums eigenständig vornehmen zu können. Auch Entlassungsgespräche würden zum Aufgabenbereich des sogenannten „nicht-ärztlichen Personals“ gehören. Der Arzt soll erst bei abweichenden Verläufen hinzugezogen werden.
Auch Ultraschalluntersuchungen, wie Doppleruntersuchungen der Halsschlagader, sollen von speziell ausgebildeten Mitarbeitern vorgenommen werden.
Die Landesärztekammer (LÄK) steht diesem Vorhaben äußerst kritisch gegenüber. LÄK-Präsident Professor Frieder Hessenauer sieht in dem Modellversuch den "Ausverkauf ärztlicher Leistungen". "Unter dem Deckmantel angeblicher Entlastung des ärztlichen Dienstes wird hier massiv in ärztliche Verantwortung eingegriffen!", kritisiert er. Ärzte müssen zwar auch nach seiner Ansicht dringend entlastet werden, doch vor allem bei nichtärztlichen Aufgaben, die ihnen in den vergangenen Jahren immer häufiger aufgebürdet worden seien. Hessenauer sieht auch juristische Probleme im Zusammenhang mit dem Modellprojekt.
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