Hannover, 02. September 2011
Patientensicherheit beginnt bei der Führung eines Krankenhauses - Erfahrungen aus Großbritannien rund um die Sicherheit im Krankenhaus waren heute Thema eines Forums der Ärztekammer Niedersachsen.
Rund 17.000 Patienten sterben in Deutschland jährlich an den Folgen einer Behandlung im Krankenhaus. Mit optimierten Abläufen lässt sich das Risiko von Unfällen und Fehlern im Klinik- und Praxisalltag signifikant reduzieren – wie Beispiele aus Großbritannien zeigen. Ob falsch zugeordnete Medikamente, technische Defekte, Verwechslung von Patienten oder schlichtweg menschliches Versagen – immer wieder passieren schwerwiegende oder sogar lebensgefährliche Fehler und Unfälle.
Nur allein der Einsatz der WHO-Checkliste im OP führe laut einer Studie aus den USA für jede durch die Checkliste vermiedene Komplikation zu einer Kosteneinsparung von rund 6000 Euro, welche dann nicht zulasten des Gesundheitssystems gingen, berichtete Dr. Brigitte Sens, Leiterin des Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen der Ärztekammer Niedersachsen. Eine hohe Patientensicherheit und Kostenreduktion könnten mit einer Optimierung der organisatorischen Abläufe erreicht werden.
Professor Andreas Becker, Geschäftsführer des Clinotel Krankenhausverbunds in Köln, ist ein ausgewiesener Kenner des britischen Patientensicherheitssystems und weist auf die bedeutende Rolle der Leitungsebene bei diesem Thema hin: „Die überzeugende Konsequenz und die Vorbildfunktion des Managements sind wegweisend – zum Beispiel für Deutschland. Damit ist Patientensicherheit nicht nur ein Betriebsaccessoire, sondern essenzieller Bestandteil der Leistungserbringung.“
Bei sogenannten „Patient Safety Leadership Walk Rounds (PSLWA)“ werden Krankenhausbegehungen in britischen Kliniken vorgenommen, die Fehlerquellen in den entsprechenden Abteilungen aufzeigen. Diese Bereiche können anschließend sicherer gestaltet werden. „In Großbritannien herrscht eine andere Mentalität als beispielsweise in Deutschland“, berichtet Prof. Becker. „Dort geht man mit dem Thema viel offener um und spricht es direkt an.“
Auch die wissenschaftliche Begleitung der Sicherheitsmaßnahmen spielt eine große Rolle. „Wir brauchen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, wie Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit in der Praxis wirken und welchen konkreten Nutzen sie haben. In Deutschland stehen wir mit dieser Art der Patientensicherheitsforschung noch am Anfang“, sagt Dr. Constanze Lessing vom Institut für Patientensicherheit (IfPS) an der Universität Bonn.
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