» Wir über uns » News » MDK-Info » Versicherte » Kranken- & Pflegekassen » Fortbildungsservice

Patientensicherheit: Was in Bangkok als Standard gilt

Hannover, 19. März 2010

Daniela Friedrich, Pressesprecherin der KKH-Allianz, moderierte das Nachmittagsprogramm.
Daniela Friedrich, Pressesprecherin der KKH-Allianz, moderierte das Nachmittagsprogramm.
 

Einen beeindruckenden Tag erlebte am Mittwoch das Publikum beim Behandlungsfehler-Symposium. Die Akademie für Sozialmedizin und der MDK Niedersachsen präsentierten eine Reihe renommierter Experten.

„Selbst bei McDonalds wird ihre Bestellung am Counter wiederholt, damit keine Missverständnisse auftreten. Aber da geht es ja auch um so wesentliche Dinge wie Hamburger.“ Flugkapitän Hans Härting bringt auf den Punkt, was viele längst wissen: In vielen Branchen, nicht nur im Hochsicherheitsbereich, sind Standards zur Fehlerreduzierung längst etabliert. Ganz im Gegensatz zu den meisten Krankenhäusern in Deutschland. Hier herrschen teilweise enorme Defizite zum Beispiel in der Kommunikation im Operationssaal oder bei den Abläufen im Notfall. So kommt es nicht selten zu Patientenverwechslungen, Verwendung der falschen Medikamente oder Zurücklassen eines Fremdkörpers im Bauchraum des OP-Patienten.
Kapitän Härting gründete vor sieben Jahren mit Partnern ein Unternehmen, mit dem er die Sicherheitsstandards der Luftfahrt auf die Medizin überträgt. In den Häusern, mit denen er zusammenarbeitet, konnte die Schadensquote messbar reduziert werden. Ein Problem, dass oft zu Fehlern führt, ist die hierarchische Struktur im Krankenhaus. In der Luftfahrt werden die Piloten darin ausgebildet, sich gegenseitig auf drohende Fehler aufmerksam zu machen. Ein womöglich 20 Jahre jüngerer Kopilot wird sich nicht scheuen, seinen Chef, dem Kapitän, auf Versäumnisse hinzuweisen. Im OP sieht es oft anders aus.

Bangkok arbeitet nach WHO-Richtlinien
Die weiteste Anfahrt an diesem Tag hatte Virginia Maripolsky. Sie nahm den Weg vom Bangkok nach Hannover auf sich, um über die Umsetzung der WHO-Patientensicherheitsziele an ihrem Haus zu berichten. Die Anwesenden staunten nicht schlecht über die – vom gesamten Personal akzeptierten – Abläufe im thailändischen Krankenhaus. Das Bangkok Hospital ist nach der Joint Comission International (JCI) akkreditiert. Die Identifikation der Patienten, die nach der WHO eine der häufigsten Ursachen für Fehler sind, wird in Bangkok durch einfache Routine-Maßnahmen, wie die Verwendung von Patienten-Armbändern, sichergestellt. Jeden Monat finden an einem Tag verpflichtende Schulungen zur Patientensicherheit statt. Sie sind Bestandteil des Dienstplans.

Personal braucht Rückmeldungen
Prof. Matthias Rothmund, Dekan des Fachbereichs Medizin an der Phillips-Universität München beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Patientensicherheit. Als einer der ersten Mediziner in Deutschland hat er mit dem anonymen Fehlermeldesystem CIRS (Critical Incident Reporting System) gearbeitet. Viele Krankenhäuser haben das System seitdem eingeführt. „Es ist schön zu sehen, dass das Thema auf der Agenda des Gesundheitswesens platziert ist, jedoch muss noch viel getan werden“, sagt Prof. Rothmund. „Wichtig ist zum Beispiel, dass es immer einen Ansprechpartner für solche Meldesysteme gibt und dass das Personal auch eine Rückmeldung erhält. Eine Schwester, die viermal etwas meldet und niemals hört, was daraus geworden ist, wird es wahrscheinlich kein fünftes Mal tun.“

Patienten haben mehr Möglichkeiten
Juristen betrachten das Feld der Behandlungsfehler aus einer anderen Sichtweise. Sie vertreten einerseits die geschädigten Patienten, können aber auch den angeklagten Medizinern zur Seite stehen. Als Vertreter der Ärzte unterstützen sie die Mediziner schon im Vorfeld, um einem möglichen juristischen Konflikt vorzubeugen. Als Justiziar des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen beschäftigt sich Dr. Jörg Heberer alltäglich mit Behandlungsfehler-Fällen. Dabei stellt er unter anderem fest, dass den Patienten immer mehr Möglichkeiten geboten werden, ihr Recht einzuklagen. „Die zahlreichen Anlaufstellen, wie zum Beispiel die Krankenkassen oder Ärztekammern bieten den Patienten eine hilfreiche Unterstützung an. Auch das Recht auf Einsicht in die Akten kommt den Patienten zugute.“

Fortbildungscurriculum der Ärztekammer Niedersachsen
Ein Viertel der gemeldeten Fälle treffen bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammern ein. Die Ärztekammer Niedersachsen hat diese umfassenden Daten dazu genutzt, ein Fortbildungscurriculum zu entwickeln, dass sich an den häufigsten „Fehler-Diagnosen“ orientiert. „Auf diese Weise haben wir zum Beispiel herausgefunden, dass die Patienten nach der Behandlung oft Beschwerden haben, die sie nicht mit ihrem Arzt besprechen. Ein weiterer Routine-Kontrolltermin kann dazu beitragen, dass ein eventueller Fehler schneller entdeckt wird“, sagt Dr. Gisbert Voigt, stellvertretender Präsident der Ärztekammer Niedersachsen.

Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze von der KKH-Allianz präsentierte das Patientensicherheits-Programm, das diese Kasse zusammen mit dem MDK Niedersachsen entwickelt hat. Kernpunkt ist die Anwendung von Sicherheitsprinzipien aus der Luftfahrt in ausgewählten OP-Bereichen. Wer mehr zu diesem Projekt wissen möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse sichererpatient@mdkn.de melden.


Mediathek

02. Juli 2010
Sucht und Trauma

05. Januar 2010
MDK Newsletter Ausgabe 3.2009





Suchen Sie den Medizinischen Dienst eines bestimmten Bundeslandes, wählen Sie bitte aus:


» Impressum » Datenschutz » Drucken » © 2010 MDK Niedersachsen » zum Seitenanfang