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OP-Checkliste erweitert

Hamburg, 29. Januar 2010

Markierung des Eingriffsortes: Einfache Routine-Maßnahmen können die Sicherheit im OP erhöhen.
Markierung des Eingriffsortes: Einfache Routine-Maßnahmen können die Sicherheit im OP erhöhen.
 

Chirurgen des Universitätsklinikums Greifswald haben die Operations-Checkliste der WHO um die präoperative Phase ergänzt. Die neue Checkliste wurde gestern auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Prof. Claus-Dieter Heidecke, Chefarzt für Allgemeinchirurgie an der Universität Greifswald, präsentierte die erweiterte OP-Checkliste im Rahmen der 18. Jahrestagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung und Patientensicherheit (CAQS) in Hamburg.

Neu an der Greifswalder Checkliste ist, dass der Chirurg vor der Operation bestätigt, dass er den Patienten gesehen und über den Eingriff aufgeklärt hat. Ist bei der Übergabe des Patienten an der Schleuse die Spalte „präoperativ“ nicht ausgefüllt und unterschrieben, wird der Operateur verständigt und der Patient erst umgelagert, wenn die Checkpunkte vor der OP abgearbeitet sind.

„Keiner würde in ein Flugzeug steigen, wenn nicht die Sicherheit gecheckt wäre“, sagt Prof. Heidecke. Checklisten im OP können einen wichtigen Beitrag für mehr Patientensicherheit erzeugen. Das beweist eine im Januar vergangenen Jahres in New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie. Doch noch längst nicht gehört der richtige Einsatz von OP-Checklisten zum Sicherheitsstandard von Kliniken. „Immer mehr Druck entsteht von den Haftpflichtversicherern der Krankenhäuser“, sagt Prof. Heidecke. Professionelles klinisches Risikomanagement werde zunehmend von den Versicherten bei der Prämienfestlegung berücksichtigt.

Um Unklarheiten bei der Schnittführung zu vermeiden, zeichnen die Ärzte in Greifswald auch die korrekten Schnittlinien auf den Körper. „Dadurch vermeiden wir Seitenverwechselungen und geben dem Patienten die Möglichkeit, dazu nochmals Fragen zu Stellen“, so Prof. Heidecke. „Aus unserer Sicht ist es essenziell, dass der verantwortliche Operateur den Patienten vor der Operation nochmals selbst sieht und die OP-Indikation überprüft.

Hierarchische Hindernisse überwinden
Am Universitätsklinikum Greifswald testen Ärzte die erweiterte Checkliste seit Februar 2009. Bis heute haben die Experten mehr als 900 Checklisten systematisch ausgewertet. Grobe Verletzungen oder gar Verwechslungen kamen in diesen Fällen nicht vor. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) rät dazu, die neuen Checklisten einzusetzen. Denn die verbesserte Kommunikation zwischen Operateur, Team und Patient könne die Sicherheit erhöhen und eventuell bestehende hierarchisch bedingte Hindernisse überwinden. Gleichzeitig stärke das neue Vorgehen die Zusammenarbeit im Team. Prof. Heidecke betont den Faktor Kommunikation, zum Beispiel durch das Teambriefing beziehungsweise Teamdebriefing. Die verbale Darstellung der durchzuführenden Operation einschließlich Risiken und erwarteter Schwierigkeiten während eines ‚Time out’ vor dem Hautschnitt sowie die explizite Vorstellung aller Teammitglieder, vom verantwortlichen Operateur bis zum Studenten, schafft immenses Vertrauen und kann die emotionale Barriere starrer hierarchischer Strukturen durchbrechen. „Nur wer sich persönlich wahrgenommen fühlt und akzeptiert fühlt, wird mögliche Fehler auch verbalisieren“, meint Prof. Heidecke. Nach der Operation werden nochmals die Art und Weise der durchgeführten Operation und zu erwartende postoperative Schwierigkeiten durch den Operateur vor allen Teammitgliedern dargestellt. Diese Teamprozesse werden seit Jahren bei den Luftfahrtgesellschaften trainiert. Im sogenannten Crew Ressource Management (CRM) lernen alle Besatzungsmitglieder wie sie am besten zusammenarbeiten, um mögliche Fehler zu reduzieren und Zwischenfälle zu vermeiden.

Intraoperatives Controlling
Doch bei allen Bemühungen zur Erhöhung der Patientensicherheit in der Chirurgie ist bislang der intra-operative Aspekt unberücksichtigt geblieben, behauptet Prof. Wolfgang Schwenk. Der Chefarzt für Allgemeinchirurgie an der Asklepios Klinik Altona will mit dem Konzept „intraoperatives Controlling“ diese Lücke schließen. In diesem Programm schaltet der verantwortliche Operateur zu vorgegebenen Zeitpunkten oder bei kritischen Entscheidungen einen anderen Arzt seines Faches ein, der bislang an der Operation nicht beteiligt war. Bevor zum Bespiel bei einer OP der Gallenblasengang getrennt wird, kommt ein zweiter Chirurg hinzu. „Damit wird das aus der Luftfahrt bekannte 4-Augen-Prinzip auf die Chirurgie übertragen“ erläutert Prof. Schwenk. Mögliche Unklarheiten werden besprochen und das operative Konzept nach den Ergebnissen dieser Diskussion zwischen Operateur und „chirurgischem Controller“ modifiziert. Durch diese einfache Maßnahme werde die Sicherheit der Patienten erhöht.


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