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FAZ: Immer mehr Ärzte "verkaufen" ihre Patienten

Frankfurt, 31. August 2009

Krankenhäuser zahlen "Schmiergelder" für Patienten. Das berichtet die FAZ.
Krankenhäuser zahlen "Schmiergelder" für Patienten. Das berichtet die FAZ.
 

Immer mehr Ärzte bekommen von Krankenhäusern Prämien für die Einweisung von Patienten. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer heutigen Ausgabe.

Standesorganisationen äußern juristische und ethische Bedenken, sehen aber keine Möglichkeit, wirksam dagegen vorzugehen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sieht den Grund für solche Zahlungen in der fortschreitenden Kommerzialisierung der Medizin. "Da halten die Ehrenkodexe nicht mehr", sagte er der Zeitung.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Rudolf Kösters, bestätigt die Praxis. "Das sind nicht mehr nur Einzelfälle wie vor zwei oder drei Jahren", sagte er. Immer öfter setzten Ärzte - teils in Vereinen organisiert - Krankenhausleitungen unter Druck nach dem Motto: "Geld oder Patient." Da bedürfe es schon eines sehr starken Rückgrats, um abzulehnen. Faktisch werde die Geldforderung oft mit Leistungen kaschiert. "Übertragt uns die Vordiagnostik zu üppigen Sätzen, oder ihr bekommt von uns keine Patienten mehr", weiß Kösters der FAZ zu berichten. Unter den Beteiligten wird von "Kopfgeld", "Zuweisungsprovisionen" oder "Fangprämien" gesprochen. Angesprochen auf solche Praktiken, weisen öffentliche wie private Klinikbetreiber diese weit von sich.

Teilweise Hunderte Euro pro Patient
Im konkreten Fall könne es um Hunderte Euro je Patient gehen, sagt Manfred Wirth, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie und Klinikdirektor in Dresden. Er kennt Fälle, in denen einweisende Ärzte vom Krankenhaus "das Zehn- bis Zwanzigfache angeboten bekommen, was ihnen die Kassenärztliche Vereinigung für den Patienten für das ganze Quartal überweist", berichtet die FAZ. Das sei inzwischen in ganzen Regionen gängige Praxis. Dafür müssten sie dann Leistungen nachweisen, die sie möglicherweise ohnehin als Kassenleistungen erbrächten oder deren Bezahlung in keinem angemessenen Verhältnis zur Leistung stünde, berichtet FAZ-Redakteur Andreas Mihm.

Aus der Krankenversicherung wird berichtet, die Einweisung eines Patienten, der eine neue Hüfte bekommt, ließen sich Krankenhäuser bis zu 1000 Euro kosten. Einen Teil davon holten sie sich anschließend bei "ausgewählten" Reha-Einrichtungen zurück. Praxis und Zahlungen in solcher Höhe werden in der Klinikszene indes bezweifelt.

„Abrechnungswildwuchs“
Chefärzte begründeten zurückgehende Fallzahlen zuweilen mit den wettbewerbswidrigen Praktiken der Konkurrenz, heißt es. Auf Internetseiten heben Kliniken Abrechnungsziffern hervor, die die einweisenden Ärzte für die postoperative Nachsorge der Patienten in Rechnung stellen können. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenhausgesellschaft bereiten derzeit ein gemeinsames Rundschreiben vor, das den Abrechnungswildwuchs beschneiden soll, schreibt Mihm in seinem Artikel.

Sowohl Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe als auch der Vorsitzende der Kassenärzte, Andreas Köhler, kritisierten diese Praxis scharf.
Neben der juristischen und ethischen hat das Thema auch eine ökonomische Dimension. Seit einigen Jahren werden die Krankenhäuser nicht mehr nach "Liegetagen" bezahlt, sondern bekommen je Fall einen zuvor ausgehandelten, landesweit identischen Betrag. Entsprechend sei es für die Krankenhäuser ökonomisch interessant, die Zahl der Fälle zu erhöhen, sagt der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Kösters der FAZ.


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