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Kliniken behandeln immer mehr psychisch Kranke

Berlin, 27. Juli 2011

Patientin in der Sprechstunde: Bei Depressionen reicht die ambulante Behandlung immer seltener aus.
Patientin in der Sprechstunde: Bei Depressionen reicht die ambulante Behandlung immer seltener aus.
 

Immer mehr Menschen kommen wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus. Laut dem Barmer GEK Krankenhaus Report hat ihre Zahl in den letzten zwanzig Jahren um 129 Prozent zugenommen.

Waren 1990 noch rund 3,7 von tausend Versicherten betroffen, so wurden 2010 bereits 8,5 gezählt. Noch schneller stieg die Zahl der Patienten, die speziell wegen Depressionen und anderer affektiver Störungen im Krankenhaus behandelt wurden. Hier beträgt das Plus seit dem Jahr 2000 rund 117 Prozent.
Der Anstieg der Behandlungstage wäre noch deutlicher ausgefallen, wenn nicht gleichzeitig die Verweildauer pro Fall merklich reduziert worden wäre: von 45 auf 31 Tage. "Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser mittlerweile um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern. Dennoch muss man fragen, ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört", so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Nicht immer sei die vollstationäre Versorgung die beste Lösung. Vieles spreche für eine stärkere wohnortnahe Versorgung durch ein und dasselbe Behandlungsteam im ambulanten oder teilstationären Bereich. "Nirgendwo sonst sind individuelle Behandlungskonzepte und sektorenübergreifende Ansätze dringlicher als im Bereich der psychischen Erkrankungen."

Jeder Fünfte nach drei Monaten wieder im Krankenhaus
Für ein besseres Schnittstellenmanagement spricht auch ein anderes Ergebnis: Für Patienten mit psychischen Störungen ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Krankenhausaufenthalts relativ hoch. Innerhalb der ersten zwei Jahre nach Entlassung werden 30 Prozent unter derselben psychischen Diagnose wieder eingewiesen, 39 Prozent wegen einer beliebigen anderen psychischen Erkrankung. Dabei wird ein Drittel dieser Patienten bereits in den ersten 30 Tagen wieder aufgenommen, knapp die Hälfte in den ersten drei Monaten. Der Verdacht, dass für die hohe Wiedereinweisungsrate immer kürzere Verweilzeiten ursächlich sind, bestätigte sich nicht. Beim Anteil der rehospitalisierten Patienten mit derselben Diagnose im Zeitraum zwischen 2000 bis 2009 lässt sich kein ab- oder aufsteigender Trend erkennen.


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