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Klimawandel: Silvesterknaller belasten Allergiker zu Ostern

Hannover, 30. Januar 2009

Klimawandel gefährdet die Gesundheit.
Klimawandel gefährdet die Gesundheit.
 

Mit dem Klimawandel und den gesundheitlichen Folgen beschäftigte sich am Samstag (30. Januar) ein Forum der Ärztekammer Niedersachsen.

Extreme Hitzeperioden, schnelle Temperaturwechsel und anhaltende Kältewellen – der Klimawandel hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die größten Konsequenzen für die Gesundheit durch Nahrungsmittelknappheit, Hitzewellen, extreme Wetterereignisse, Wassermangel als auch Wasserüberfluss sowie Verbreitung von krankheitsübertragenden Insekten zu erwarten.

„Welche Folgen das für die heimischen Verhältnisse genau haben wird, lässt sich nur schwer abschätzen“, sagte Dr. Martina Wenker am Freitag gegenüber der Presse. Wenker ist Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Als Vorsitzende des Ausschusses „Gesundheit und Umwelt“ bei der Bundesärztekammer liege ihr das Thema besonders am Herzen. „Als Ärzte konzentrieren wir uns zunächst auf die Beobachtung sowie die wissenschaftliche Forschung klimabedingter Gesundheitsfolgen“, sagte Wenker. Diesem Zweck diene auch die Veranstaltung mit Fachexperten. Dass der Klimawandel Einfluss auf die Freisetzung von Allergenen und auf höhere UV-Strahlung hat, gilt als unbestritten.

Extreme Sommer wie im Jahr 2003 machen besonders Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen zu schaffen. „Vor allem ältere Menschen sind gefährdet, auszutrocknen“, erklärte Prof. Dr. Tobias Welte. „An extrem heißen Tagen verdicke sich das Blut. „Das führt zu einem höheren Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie Lungenembolien“, sagte der Klinikdirektor für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Der Bevölkerung seien die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels noch nicht bewusst, meint der Mediziner. „Ein Sizilianer wird sich nicht bei 40 Grad Hitze in der Mittagszeit in schwarzer Kleidung draußen aufhalten. Die Nordeuropäer verhalten sich da noch anders“. Wenker und Welte sehen die Gefahr, dass die Krankenhausbetten für extreme Sommer nicht ausreichten. In Frankreich zeigten sich im Extremsommer 2003 zahlreiche Versorgungsdefizite. In der Krankenhausplanung müssten künftig auch Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden, so die Forderung Weltes.

Eine weitere Folge des wärmeren Klimas wird vor allem Allergiker treffen. Heuschnupfen in der Adventszeit sind Anzeichen dafür, dass sich die Pollensaison ausdehnt. Manche Pollen fliegen früher als bisher umher, andere Pflanzen schicken ihre Allergene noch spät im Herbst auf Reise. Zusätzlich treten neue Pflanzen mit stark allergenen Pollen auf. Ein Beispiel dafür ist die aus Nordamerika stammende Ambrosia, die sich inzwischen auch in Deutschland ausbreitet.
Allergene und verschiedene Luftschadstoffe wie Ozon oder Feinstaub beeinflussen die Schwere und den Verlauf von Allergien, Asthma bronchiale und Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). „Zu Silvester 2008 haben die Deutschen mehr als sonst Knallkörper gezündet. Aus Forschungen wissen wir, dass dadurch die Feinstaubbelastung zeitversetzt ansteigt. Die Allergiker werden ungefähr zu Ostern 2009 die Folgen der Silvesterknallerei zu spüren bekommen“, erklärte Welte.

Erste Forschungen zeigten, dass Feinstaubbelastung die Demenzkrankung begünstigt. Welte prognostiziert zudem eine Zunahme von Asthmafällen vor allem bei älteren Menschen. Durch die aggressive UV-B-Strahlung müsse die Mehrheit der Bevölkerung damit rechnen, mindestens einmal im Leben an einem Hautkrebs zu erkranken.

Wie rasch sich die Verbreitungsgebiete von Infektionskrankheiten verschieben, wird auch am Beispiel der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) deutlich. „Diese trat im vergangenen Sommer bereits an der Ostsee auf, obwohl bisher die Donau als geografische Grenze galt“, stellte Welte fest. Der MHH-Forscher schließt nicht aus, dass die Malaria in zehn Jahren nach Europa verbreitet zurückgekehrt ist.

Die Bundesärztekammer und die Länderärztekammer arbeiteten zurzeit an der Entwicklung von gezielten Präventionsmaßnahmen klimabedingter Gesundheitsfolgen. Sinnvoll seien auch Frühwarnsysteme bei Pollen, Hitze, UV-B-Strahlung und Infektionskrankheiten. „Die klimabedingten Gesundheitsgefahren werden bei der Weiterbildung der Ärzte einen höheren Stellenwert bekommen“, kündigte Ärztekammer-Präsidentin Wenker an. Spezielle Fortbildungsveranstaltungen für die behandelnde Ärzte in den jeweiligen Kammerbezirken seien in Planung.


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