München , 05. Mai 2011

Mit Hilfe von verbesserter Hygiene, angemessenem Einsatz von Antibiotika und Forschung will die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie die Zahl chirurgisch bedingter Infektionen um die Hälfte senken.
Um dies zu erreichen, definierte die DGCH Anfang Mai auf ihrem 128. Kongress gemeinsam mit den zehn chirurgischen Fachgesellschaften Forderungen.
Chirurgische Patienten in Krankenhäusern sind doppelt so häufig von Infektionen betroffen, wie andere Patienten. Infekte an Operationswunden bilden dabei die dritthäufigste Ursache. Meist gelangen Keime von außen über die Haut in die Wunde. „Nosokomiale Infektionen sind ein immenses Problem, dem wir mit größter Disziplin in der Hygiene begegnen müssen“, betonte Professor Dr. med. Axel Haverich, Kongresspräsident und Präsident der DGCH aus Hannover. Allein die Umsetzung existierender Hygienevorschriften – wie Desinfektion der Hände – bringe hier viel.
Dass bessere Hygiene vor Krankenhausinfektionen schützt, zeigen die Nachbarländer: Schweiz, Niederlande und die skandinavischen Länder bleiben seit Jahren mit weniger als einem Prozent Durchseuchung der Kliniken mit Hospitalkeimen auf konstant niedrigem Niveau. Deutschland liegt mit etwa fünf bis zehn Prozent deutlich darüber. In Griechenland, Italien und der Türkei dagegen sind sogar bis zu 30 Prozent der Patienten betroffen.
Krankenhauskeime sind gegenüber Medikamenten sehr widerstandsfähig. „Dies ist vor allem einer zu liberalen Praxis in der Vergabe von Antibiotika geschuldet", bemängelt Professor Haverich. Langjährige großzügige Vergabe von Breitbandantibiotika lässt die Keime unempfindlich werden. Gegen diese multiresistenten Keime schlagen Medikamente kaum noch an.
Die DGCH macht es sich zur Aufgabe, in allen chirurgischen Fächern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika umzusetzen. Zudem engagiert sich die Fachgesellschaft dafür, dass OP-Teams Hygienestandards strikt einhalten. Hygienefachkräfte in den chirurgischen Kliniken sollen dies zukünftig unterstützen.
Professor Markus Büchler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), begrüßte in diesem Zusammenhang zudem ausdrücklich das neue Infektionsschutzgesetzes. Dessen Vorgaben für eine verbesserte Hygiene in Kliniken warten nun darauf, in die Praxis umgesetzt zu werden. Ziel müsse es zudem sein, hierfür eine bundesweite Lösung zu finden. Einen möglichen ersten Schritt sehen die Chirurgen in der Gründung einer adhoc-Kommission. Auf diese Weise könnten Chirurgen gemeinsam mit Hygienefachleuten und Mikrobiologen schnell die nötigen Abläufe flächendeckend in die Kliniken hineinbringen.
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