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Experten diskutieren auf dem MDK-Tag über den Wettbewerb

Hannover, 18. September 2008

Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Ingo Kailuweit, Ann-Katrin Johannsmann und Prof. Dr. Peter Schallenberg (v.l.)
Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Ingo Kailuweit, Ann-Katrin Johannsmann und Prof. Dr. Peter Schallenberg (v.l.)
 

Unter dem Motto „Wettbewerb im Gesundheitswesen“ hat der MDK Niedersachsen am 18. September 2008 hochkarätige Referenten in der Medizinischen Hochschule in Hannover versammelt.

Zusätzlich konnten die rund 300 Besucher am Nachmittag an fünf Workshops teilnehmen.

Nachdem der große Ansturm bewältigt und sich alle Besucher auf ihren Plätzen eingefunden hatten, begrüßte Jürgen Vespermann, Geschäftsführer des MDK Niedersachsen, die Gäste. Eine Einleitung war an diesem Tag nicht schwer zu finden. Am Abend zuvor war das Fusions-Vorhaben der Krankenkasse IKK Direkt und der Techniker Krankenkasse bekannt geworden, so dass alle auf das Thema Wettbewerb im Gesundheitswesen eingestimmt waren.

Es wird zu wenig über Effizienz geredet
Ann-Katrin Johannsmann vom NDR in Hamburg übernahm die Moderation und konfrontierte ihre Gesprächspartner nicht nur mit schmeichelnden Fragen. Zunächst hatten die Experten die Gelegenheit ihre Thesen darzustellen. Den Anfang machte Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg von der Universität Hannover, der sich als Wirtschaftswissenschaftler sehr intensiv mit dem Thema Wettbewerb beschäftigt. Er wies in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit von Effizienz im Gesundheitswesen hin und betonte, dass sowohl Wettbewerb als auch die Regulierung ihren Platz im Gesundheitswesen haben können. Beide Seiten zeigten jedoch auch Probleme auf: „Je mehr der Staat regulierend in das Gesundheitswesen eingreift, desto mehr Innovation geht dort verloren“, sagte Prof. Graf von der Schulenburg und wies gleichzeitig daraufhin, dass durch die „asymmetrische Machtverteilung“ der Akteure eine gewisse Regulierung nötig sei. Der Ökonom aus Hannover hielt jedoch fest: „Je mehr der Staat sich finanziell am Gesundheitswesen beteiligt, desto mehr wird er auch die Richtung der Gesundheitspolitik bestimmen.“ Damit knüpfte Prof. Graf von der Schulenburg auf die Einflussnahme der Bundesregierung durch den Gesundheitsfonds an.

Ungeliebter Gesundheitsfonds
Der Fonds ist auch dem Vorstandsvorsitzenden der KKH, Ingo Kailuweit, ein Dorn im Auge. Der Kassenchef verglich den Fonds damit, als wenn man die KFZ-Steuer von der Bemessung nach Hubraum auf die Reifengröße umstellen würde. „Unser Problem sind nicht die unterschiedlichen Beitragssätze der Krankenkassen, sondern die Ausgaben. Kailuweit skizzierte unabhängig von den Einflüssen des Fonds einen starken Konzentrationsprozess der Krankenkassen. „Im Jahr 2011 wird es vermutlich etwa noch 50 Kassen geben.“

Rationierung ist nicht unethisch
Prof. Dr. Peter Schallenberg von der Theologischen Fakultät der Universität in Fulda betonte in seinem Vortrag den ethischen Aspekt im Gesundheitswesen und verdeutliche dies am biblischen Bild vom barmherzigen Samariter. „Der Mensch lebt vom Überfluss an Liebe. Der Sozialstaat versucht die individuelle Tugend der Liebe in ein Gerechtigkeitssystem zu integrieren“, sagte der Theologe. Die optimale, gleiche Gesundheitsvorsorgung für alle sei eine Utopie der Politiker. Es sei nicht unethisch, für eine Rationierung im Gesundheitswesen zu plädieren, weil wir in keinem Gesundheitssystem mit barmherzigen Samaritern leben. „Das Beste wäre, so zu leben, wie im Paradies“, das vom Überfluss geprägt sei. Das öffentlich organisierte Gesundheitswesen sei weit entfernt davon, aber verbinde dennoch eine Ethik der Solidarität und Gleichheit mit der Ökonomie des Wettbewerbs und der Ungleichheit.

Zunehmender Wettbewerb beim MDK
Sowohl Kailuweit, als auch Jürgen Vespermann, Geschäftsführer des MDK Niedersachsen, kamen in weiteren Vorträgen auf die Praxis in der Zusammenarbeit zu sprechen. Kailuweit lobte trotz kleiner Kritikpunkte insgesamt die Kooperation mit dem MDK Niedersachsen: „Ich freue mich, dass wir einen so offenen Austausch pflegen und der MDK auch aktiv auf uns zukommt“. Vespermann erwiderte das Lob und betonte, dass auch im MDK Niedersachsen der Wettbewerb zunähme. Was zurzeit nur auf die Grundsatzbegutachtungen zuträfe, könnte in Zukunft auch auf die Einzelfallbegutachtungen übergreifen, so dass sich der MDK auch dort dem Wettbewerb stellen müsse. An das Publikum, das zum Großteil aus MDKlern bestand, appellierte er, deshalb noch stärker auf die Qualität der Beratungen bzw. Begutachtungen und die Unabhängigkeit zu achten: „Der MDK kann alles an Aufträgen im Wettbewerb übernehmen, solange nicht die gutachterliche Unabhängigkeit tangiert wird.“ In die Zukunft blickend sagte der MDK-Chef, dass der MDK aus dem Gesundheitswesen nicht wegzudenken sei, auch wenn sich vielleicht die Struktur ändere.      


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