Hannover, 25. November 2011
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Über das Thema Arbeitsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen diskutierten die Teilnehmer eines Expertenforums des MDKN am Dienstag in Hannover.
An erster Stelle der krankheitsbedingten Fehlzeiten stehen nach wie vor die Muskel- und Skeletterkrankungen. Zu den sechs häufigsten Diagnose-Gruppen, die allein 80 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten ausmachen, zählen auch die psychischen Störungen, die bereits auf Platz vier liegen. Während die anderen Diagnosen seit Jahren zurückgehen zeichnet sich hier ein kontinuierlicher Anstieg der Fehlzeiten ab. Besonders die durchschnittliche Dauer der Erkrankung ist bei psychischen Störungen deutlich höher als bei den somatischen Diagnosen. „Die Arbeitswelt hat sich verändert“, erklärt Britta Manegold, stellvertretende Leiterin der SEG 1 beim MDK Niedersachsen. „Arbeit ist heute weniger von körperlicher als von psychischer Intensität geprägt.“
Aufgabe der Medizinischen Dienste
Den Medizinischen Diensten wird bei der Arbeitsunfähigkeit durch den Gesetzgeber eine wichtige Rolle zugesprochen. Bei der Prüfung von Arbeitsunfähigkeit erfolgt der Abgleich der Krankheitsfolgen mit dem Anforderungsprofil des Arbeitsplatzes. Bei Arbeitsplatzkonflikten spielen zusätzlich die Kontextfaktoren am Arbeitsplatz eine Rolle. Hier stellt der MDK zunehmend Probleme fest. „Immer häufiger kommt es vor, dass die Versicherten Konflikte am Arbeitsplatz mit dem Vorgesetzten angeben, diese allein begründen jedoch keine Arbeitsunfähigkeit“ berichtet Manegold.
„Es gibt keine Bedarfsplanung“
Die ambulante Versorgung der Patienten mit psychischen Erkrankungen stellt, besonders im ländlichen Raum, ein großes Problem dar. Teilweise warten Patienten monatelang auf einen Termin beim Psychiater oder Psychotherapeuten. Auch bei den Rehabilitationsmaßnahmen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. „Wir haben heute ungefähr acht Mal so viele Ärzte in den psychologischen Fächern wie noch 1975“, erklärt Dr. Bernhard von Treeck, stellvertretender ärztlicher Leiter beim MDK Nord.
Hausarzt als Koordinator
In der Weiterbildung der Hausärzte sieht Dr. Cornelia Goesmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie und ehemalige Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, eine Möglichkeit, die Versorgung der Patienten zu verbessern. „Ich sehe mich als Koordinatorin für psychisch kranke Patienten“, sagt Goesmann. „Ich nehme Kontakt mit Behörden oder auch dem Arbeitgeber auf und führe schon in der hausärztlichen Praxis – im Rahmen meiner Möglichkeiten – eine Psychotherapie durch. Wenn der Hausarzt zumindest einordnen kann, welche Art von Störung vorliegt und welche Maßnahme in diesem Fall empfehlenswert ist, können die Ressourcen effizienter verteilt werden.“
| » Präsentationen und Abstracts (3,40 MB) | ||
| Hier finden Sie die Präsentationen und Abstracts aller Refrenten des Expertenforums. Veröffentlicht am: 25. November 2011 |
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