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Expertenforum: Frührehabilitation, ICF & Co

(13.12.2004)

Dr. Norbert Lübke (Leiter Kompetenz Centrum Geriatrie) und Dr. Sabine Grotkamp (Leiterin der SEG1) beim Expertenforum am 9. Dezember in Hannover.
Dr. Norbert Lübke (Leiter Kompetenz Centrum Geriatrie) und Dr. Sabine Grotkamp (Leiterin der SEG1) beim Expertenforum am 9. Dezember in Hannover.

Wenn so viele Experten zu Wort kommen wie beim Expertenforum der SEG 1 (Sozialmedizinische Expertengruppe) und des Kompetenz Centrum Geriatrie (KCG) am 9. Dezember in Hannover, dann geht es vor allem fachlich zu. Den rund 90 Teilnehmern aus Krankenversicherung, Begutachtungsdiensten anderer Sozialversicherungsträger und MDK-Gemeinschaft wurde eine breite Themenpalette auf der ersten Veranstaltung dieser beiden Kompetenzeinheiten des MDK geboten. Zum thematischen Schwerpunkt hatten sich die Veranstalter die Frührehabilitation gesetzt. Doch zuvor stellten SEG1 und KCG ihre Hauptaktionsfelder vor. Abgerundet wurden die Programmblöcke durch eine Podiumsdiskussion.

Arbeitshilfe ICF in Vorbereitung
Mit der markanten These „der ICF ist abgefahren“ startete Dr. Manfred Viol, SEG 1, das erste Fachreferat und legte passend zum Thema eine Folie mit einem rasenden ICE-Zug auf. „Abgefahren“ sei die ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) deshalb, weil sie zunehmend zum Arbeitsmittel avanciere, mit dem die sozialmedizinische Kompetenz verbessert werden könne. Die Leiterin der SEG 1 und Moderatorin der Veranstaltung, Dr. Sabine Grotkamp, kündigte an, dass eine Arbeitshilfe zur Anwendung des ICF in der sozialmedizinischen Beratung und Begutachtung kurz vor der Verabschiedung stehe. Bis die ICF im Gesundheitswesen jedoch umfassend eingesetzt werde, vergehe noch einige Zeit.  Eine Kodierung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant.

Quantensprung durch Rehabilitations-Richtlinien
Als Quantensprung bezeichnete Dr. Thomas Hagen, SEG 1, die in diesem Jahr verabschiedeten Rehabilitations-Richtlinien. „Mit den Richtlinien wird im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin die Verordnung von Rehabilitationsleistungen durch den Vertragsart dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnis angepasst“, sagte Dr. Hagen. Dadurch werde eine „sachgerechte Verordnung des Vertragsarztes“ möglich. Mit den Richtlinien bestehe jetzt für Vertragsärzte, Krankenkassen und MDK ein gemeinsames Rehabilitationsverständnis. Dies fördere ein frühzeitiges Erkennen der Indikation für eine Rehabilitationsleistung. Nach Einschätzung Hagens werde es noch einige Zeit brauchen, bis die Richtlinien vollends umgesetzt werden. Die Qualifizierung der Vertragsärzte sei angelaufen. Wer Rehabilitationsleistungen verordnen wolle, benötige eine entsprechende Qualifikation, die unter anderem durch ein zweitägiges Curriculum erworben werden könne. Vermittelt werden Kenntnisse zur Anwendung der ICF. 

Definition und Indikation der „Frührehabilitation im Krankenhaus“
Den Themenschwerpunkt „Frührehabilitation im Krankenhaus“ eröffnete Doz. Dr. Klaus Leistner, SEG 1. Mit Inkrafttreten des SGB IX in Verbindung mit der Ergänzung des § 39 Abs. 1 SGB V am 1. Juli 2001 wurde die gesetzliche Grundlage für die Frührehabilitation im Krankenhaus geschaffen. Dr. Leistner stellte die Definition und Indikationskriterien für Frührehabilitation vor, die von der „Methodengruppe FRK (Frührehabilitation im Krankenhaus) beim MDS erarbeitet wurden. Insgesamt lägen nun fachübergreifend konsentierte Kriterien zur  Frührehabilitation vor, sagte Dr. Leistner. Die Ergebnisse der Methodengruppe FRK wurden in einem Abschlussbericht an die Fachreferenten der Spitzenverbände der Krankenkassen weitergeleitet. Ziel sei es darüber hinaus, diese Ergebnisse in Fachzeitschriften zu publizieren, um so die Konzeption auf Ebene der Fachgesellschaften weiterzuentwickeln.

Den Stellenwert der Frührehabilitation im Kontext des geriatrischen Versorgungskonzeptes stellte Dr. Norbert Lübke als Leiter des KCG vor. Sein Fazit: Vom geriatrischen Behandlungskonzept her gehören akutmedizinische und rehabilitative Behandlungselemente untrennbar zusammen. Dies ergibt sich aus „der geriatrietypischen Multimorbidität und den altersphysiologischen Charakteristika.“  Dr. Lübke wies darauf hin, dass es zwischen der Konzeption der geriatrischen Frührehabilitation und der fachübergreifenden Definition sowie den Indikationskriterien für die Frührehabilitation keinen Widerspruch gäbe. Inwieweit sich die geriatrische Frührehabilitation im Krankenhaus in den DRG’s (Diagnosis Related Groups) leistungsgerecht abbilden lasse, bleibe abzuwarten.

Revisionsverfahren zum OPS
Aus Sicht des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) erläuterte Dr. Birgit Krause den Stand des Revisionsverfahrens zum OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) am Beispiel der Frührehabilitation. Der OPS wird in der stationären Versorgung eingesetzt zur Verschlüsselung der medizinischen Prozeduren und als eine Grundlage für die Abrechnung von Krankenhausleistungen nach den DRG’s. Für die Weiterentwicklung des OPS sei das DIMDI auf den  Sachverstand der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen und die Rückkoppelung mit Anwendern angewiesen. Dr. Krause rief die MDK-Gemeinschaft zur Mitarbeit auf.

Weitere Fachvorträge auf dem Expertenforum:

  • Modernes Arbeitsunfähigkeits-Fallmanagement von Dr. Mechthild Böschen, SEG 1
  • Rehabilitation vor Pflege – ungenügende Umsetzung durch Mängel bei der Pflegebegutachtung? Hans-Udo Zenneck, KC Geriatrie
  • Annäherung an eine neue Leistungsart: Das Beispiel „Mobile Rehabilitation?“ von Dr. Jürgen Anders, KC Geriatrie

    Eine Dokumentation der Veranstaltung kann demnächst im Download abgerufen werden.

Download: SEG1_041209.pdf (4,60 MB)


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