Hannover, 29. Januar 2009

Rund 140 Experten kamen am 29. Januar 2009 zum Expertenforum „Demenz“ des Medizinischen Dienstes nach Hannover.
Da das Krankheitsbild der Demenz so vielschichtig ist, trugen drei Kompetenzeinheiten der MDK-Gemeinschaft ihr Wissen aus der Rehabilitation, Psychiatrie und Geriatrie in einem Expertenforum zusammen.
Der Geschäftsführer des MDK Niedersachsen, Jürgen Vespermann, eröffnete die von Dr. Sabine Grotkamp (Leiterin der Sozialmedizinischen Expertengruppe 1) konzipierte Veranstaltung mit einem Dankbarkeitsappell an alle, die mit der Pflege von Demenzkranken zu tun haben: „Wir können ihrer Arbeit viel Wertschätzung entgegen bringen und so motivierend auf sie einwirken. Lassen Sie uns dies schon jetzt tun. Falls wir selbst einmal von dieser Krankheit betroffen werden, sind wir vielleicht nicht mehr in der Lage, unsere Dankbarkeit zu zeigen“.
Ethische Bewertung durch den MDK?
Das war die passende Überleitung an Dr. Wolfgang Mauersberg, der auf die ethische Seite der Demenzversorgung einging. Der ehemalige Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) sah die ethische Verantwortung des Staates besonders bei der gerechten Verteilung der Finanzmittel. „Wir müssen in Zukunft mehr prüfen, ob medizinische Innovationen für den Patienten einen Nutzen haben“ und nicht für andere Akteure im Gesundheitswesen gerade vorteilhaft seien. Das erfordere eine Neubewertung der ethischen Maßstäbe. „Dabei kommen wir nicht umhin, auch unbequeme Fragen zu stellen“, sagte Mauersberg. Es sei durchaus vorstellbar, dass sich der Medizinische Dienst in Zukunft auch mit ethischen Bewertungen befassen könnte.
MDK analysierte im Auftrag der GKV Studien
Gegenwärtig gibt es kein Heilmittel gegen die Demenz. Die Krankheit lässt sich maximal ein paar Monate zurückdrängen. In den vergangenen Jahren war die Krankheit jedoch Gegenstand intensiver Forschungen. Vielversprechende Therapien sind derzeit in der Forschung bzw. Erprobung.
Vor diesem Hintergrund beauftragten die Spitzenverbände der Krankenkassen Experten der MDK-Gemeinschaft, eine Übersicht zu vorhandenen Angeboten und Konzepten mit rehabilitativem Ansatz, zu deren Erkenntnislage und deren Einordnung in das Versorgungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung zu verschaffen. Die Kernfrage einer Recherchearbeit war: Unter welchen Voraussetzungen sind Leistungen zur Rehabilitation für Menschen mit demenziellen Erkrankungen zweckmäßig? Bisher lägen so gut wie keine evidenzbasierten Studien dazu vor, erklärte Dr. Christel Stegemann vom MDK Westfalen-Lippe. Dr. Stegemann skizzierte den erforderlichen Bewertungsrahmen: „Die Prüfung der Indikation für eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation umfasst die individuelle Bewertung der Rehabilitationsbedürftigkeit, -fähigkeit und -prognose auf Basis von realisierbaren alltagsrelevanten Rehabilitationszielen.“ Die MDK-Experten forderten, die Forschungsarbeit zu intensivieren, um zu erkenntnisgesicherten Ergebnissen zu kommen. Derzeit werde im Rahmen der „Leuchtturmprojekte“ eine vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie zur nachhaltigen Wirksamkeit der Behandlung im Alzheimer-Therapiezentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling gefördert. Dr. Barbara Romero ging unter anderem auf die therapeutischen Inhalte ihres Hauses ein.
Nachholbedarf bei Hausärzten
Wie wichtig eine frühzeitige Diagnoseerkennung beim Krankheitsbild Demenz ist, unterstrich Dr. Christoph J. Tolzin, Leiter des Kompetenz-Centrums Psychiatrie beim MDK Mecklenburg-Vorpommern. Aber gerade bei der Diagnose hätten die Hausärzte noch Defizite, hielt Prof. Hans Gutzmann fest. Bei etwa 40 bis 60 Prozent der Patienten werde die Demenzerkrankung vom Hausarzt übersehen, meinte der Ärztliche Leiter der St. Hedwig Kliniken in Berlin. „Obwohl der Hausarzt als Primärversorger bei Demenzkranken gilt, ist die demenzspezifische Qualifikation für Hausärzte sehr unterschiedlich.“ Hausärzte sollten sich noch mehr mit regionalen Versorgungsstrukturen vertraut machen, riet Prof. Gutzmann.
Die Kenntnis über spezielle Versorgungsangebote ist auch für die geriatrische Rehabilitation wichtig. Diese komme bei Demenzpatienten in der Regel in Zusammenhang mit Rehabilitationsmaßnahmen aufgrund anderer Erkrankungen, zum Beispiel beim Oberschenkelhalsbruch, zum Tragen, erläuterte Dr. Norbert Lübke, Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie beim MDK Nord.
„Die Demenz passt nicht zu den Angeboten unseres Gesundheitssystems“, leitete Bettina Rath, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Mittelhessen, ihr Referat ein. Bisher sei es nicht gelungen, demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen wirksam zu helfen. Flächendeckende Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige würden sich nur dann entwickeln, wenn der Zugang zu solchen Angeboten von einer anerkannten Instanz des Gesundheitswesens angebahnt werde. „Hier liegt eine wichtige Aufgabe des Medizinisches Dienstes“, sagte Rath. Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Berlin, Dr. Cornelia Goesmann, gab zum Schluss der Fachtagung einen Ausblick auf die zukünftigen Versorgungsstrukturen.
Die Fachreferate des Forums finden Sie unter den folgenden Downloads.
| » Abstracts der Fachreferate (0,08 MB) | ||
| Fachreferate zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Wolfgang Mauersberg, ehemaliger Chefredakteur HAZ (0,09 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Prof. Dr. Hans Gutzmann, St. Hedwig Kliniken Berlin (1,27 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Christoph J. Tolzin, Kompetenz-Centrum Psychiatrie/Psychotherapie beim Medizinischen Dienst (0,21 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Christel Stegemann, Koordinatorin Heilmittel beim MDK Westfalen-Lippe (0,25 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Norbert Lübke, Kompetenz-Centrum Geriatrie beim Medizinischen Dienst (0,49 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Bernhard Fleer, MDS (0,17 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Dipl.-Psych. Barbara Romero, Alzheimer Therapiezentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling (0,03 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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| » Dr. Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Berlin (0,02 MB) | ||
| Fachreferat zum Expertenforum Veröffentlicht am: 02. Februar 2009 |
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