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Neue Grundsatzstellungnahme zur Demenz

Berlin/Essen, 14. Dezember 2009

Gedächtnistraining in einer Senioreneinrichtung
Gedächtnistraining in einer Senioreneinrichtung
 

Auf der Grundlage der Erfahrungen mit den Qualitätsprüfungen hat die MDK-Gemeinschaft die Grundsatzstellungnahme „Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen“ erstellt.

Die am 14. Dezember 2009 in Berlin vorgestellt Grundsatzstellungnahme „Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen“ hat das Ziel, die Pflegeeinrichtungen dabei zu unterstützen, die pflegerische Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz weiter zu verbessern. Sie fordert - neben der notwendigen multiprofessionellen Herangehensweise und der Vernetzung aller beteiligten Professionen und ehrenamtlich Tätigen - die systematische Anwendung der Betroffenenperspektive, damit eine bedürfnisorientierte Pflege und Betreuung von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann.

Defizite in der Versorgung von Menschen mit Demenz in stationären Pflegeeinrichtungen spiegeln sich auch in den Qualitätsprüfungen der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) wider. Die ersten veröffentlichten Pflegenoten zum Bereich „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“ zeigen, dass zwar die Hälfte der Einrichtungen gute Noten erreicht, bei immerhin einem Fünftel der Pflegeheime die Versorgung aber lediglich „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“ ist.

Optimierungsbedarf sehen die Autoren zum einen in der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung von Heimbewohnern. „Der erste Schritt zur Verbesserung der Versorgung muss heißen: Daran denken!“, so Dr. Ernst Eben vom MDK Bayern, Psychiater und Mitglied der Sozialmedizinischen Expertengruppe „Pflege“ der MDK-Gemeinschaft. „Nur 35 Prozent der Heimbewohner werden fachärztlich von einem Neurologen oder Psychiater behandelt und nur 20 Prozent erhalten eine antidementive Therapie.“

Zum anderen muss die pflegerische Versorgung in Pflegeheimen verbessert werden. „Wir müssen die Perspektive von Menschen mit Demenz konsequent zum Ausgangspunkt pflegerischer Interventionen machen“, fordert Uwe Brucker, zuständig für das Fachgebiet „Pflegerische Versorgung“ beim MDS. „Das passiert in der Praxis leider zu selten. Häufig wird an den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz vorbeigepflegt.“ Die Folge seien etwa Angst- und Unruhezustände, die sowohl die Betroffenen selbst, ihre An¬gehörigen, die anderen Bewohner wie auch die Pflegekräfte zusätzlich belasteten.

„Wenn wir die Versorgung von Menschen mit Demenz wirksam verbessern wollen, müssen wir die medizinische und die pflegerische Versorgung besser miteinander verzahnen“, sagte Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) auf einer Veranstaltung am 14. Dezember in Berlin.


Zum Hintergrund:
Demenz ist eine Volkskrankheit. Experten prognostizieren  in den nächsten 20 Jahren eine Verdoppelung auf 2,4 Millionen Demenzkranken.

Demenz bestimmt die Versorgungsrealität in deutschen Pflegeheimen; mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner leiden bereits aktuell unter einer demenziellen Erkrankung. Trotzdem ist das pflegerische Handeln noch viel zu wenig auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und anderen gerontopsychiatrisch Erkrankungen ausgerichtet.

 

» Grundsatzstellungnahme „Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen“ (4,26 MB)
Diese 236-seitige Grundsatzstellungnahme möchte professionell Pflegende und ehrenamtlich Unterstützende sowie pflegende Angehörige informieren und im Pflegealltag unterstützen. Die MDK-Gemeinschaft stärkt mit dieser Grundsatzstellungnahme die ihr in § 112 Abs. 3 SGB XI vom Gesetzgeber übertragene Beratungsfunktion gegenüber den Pflegeeinrichtungen.
Veröffentlicht am: 14. Dezember 2009

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