Hannover, 17. Dezember 2008

Nach 18 Monaten und mehreren tausend Arbeitsstunden war es soweit: Die beteiligten Softwarefirmen übergaben ihr Pogrammpaket am 15. Dezember 2008 offiziell ihrem Kunden, dem MDK Niedersachsen.
Bevor ein neuer Jet an die Fluggesellschaft ausgeliefert wird, muss sich der Flieger monatelangen Prüfungen unterziehen. Erst wenn alles in Ordnung ist und keine sicherheitsrelevanten Probleme mehr bestehen, nimmt die Airline das Flugzeug ab. Einen Test auf Herz und Nieren musste auch das neue IT-System des MDK Niedersachsen über sich ergehen lassen. Seit April dieses Jahres werden das Auftragsmanagement (AMS) und die Gutachtenerstellungssoftware (GES) für die Pflegebegutachtung im Echtbetrieb getestet. In den Testregionen Hannover, Braunschweig und Lüneburg wurden inzwischen damit rund 40.000 Gutachten bearbeitet. Die Testphase ist nun mit der offiziellen Programmübergabe an diesem Montag beendet.
MDKN-Geschäftsführer Jürgen Vespermann und T-Systems Vertriebsleiter Frank Evers unterzeichneten das Übergabeprotokoll. Die beteiligten Softwareentwickler-Firmen und die MDKN-internen Mitarbeiter/-innen konnten die Unternehmensleitung von der Funktionalität des AMS und GES überzeugen. „Vor dem erreichten Stand kann ich nur den Hut meiner Anerkennung ziehen“, sagte MDKN-Chef Vespermann.
Leichte Anpassungen noch erforderlich
Am Tag der Produktübergabe wurde nicht mit Manöverkritik gespart. Während des Pilotbetriebs waren immer wieder Anpassungen der Verarbeitungsgeschwindigkeit erforderlich. Vertreter der Entwicklerfirmen gestanden ein, dass ihnen die Komplexität von Beginn an nicht klar genug gewesen sei. Mit der Pflegereform seien während der Programmierphase neue Anforderungen hinzugekommen, die vorher nicht absehbar waren, sagte Carsten Voigtländer vom Softwarehaus TwentyOne in Dresden.
So wie bei einem fabrikneuen Flugzeug der Toilettendeckel noch hakt oder die Schranktür für die Staufächer der Essenstabletts klemmt, ist bei der MDKN-Software auch noch einiges nachzubessern. Die Kommunikation zwischen AMS und den über UMTS-Funkverbindung angebundenen Gutachtern läuft noch nicht vollständig reibungslos. Leichte Anpassungen des Layouts und die Optimierung der Druckfunktionalitäten der Gutachten sind weitere Beispiele, an denen gearbeitet wird. „Solche Anpassungen sind normal für eine komplette Neuentwicklung“, sagte IT-Leiter Bernd Nulle. Ihre Zufriedenheit gaben MDKN-Geschäftsführer Vespermann und Prof. Wolfgang Seger, Leitender Arzt, durch ein großes Lob für die Mitarbeiter/-innen aus dem IT- und dem Organisationsbereich zum Ausdruck. „Wir danken aber auch den Mitarbeitern aus den Service- und Pflegecentern, die als erstes mit dem neuen System zurechtkommen mussten. Wir haben nicht vergessen, welche Anstrengungen damit verbunden waren und sind“, sagte Prof. Seger.
Vermarktungschancen in Aussicht
„Wir haben in kurzer Zeit ein lauffähiges Produkt auf die Beine gestellt, das sich über die Grenzen des MDK Niedersachsen sehen lassen kann. Mich würde es nicht wundern, wenn Sie das Produkt auch anderswo im Gesundheitswesen vermarkten können“, sagte Vespermann abschließend zu den Vertretern der Herstellerfirmen. Der MDK Niedersachsen bleibt vollständiger Eigentümer der Software und Programmlizenzen. Auf diese Weise kann der Dienst sofort auf neue gesetzliche Anforderungen oder interne Optimierungen eigenständig reagieren.
Entwicklung geht weiter
Wer denkt, dass nach der offiziellen Programmübergabe nun Ruhe im IT- und Orgabereich eintritt, hat sich getäuscht. Bis zum Sommer 2009 müssen noch die Regionen Göttingen, Oldenburg, Osnabrück und Bremen mit dem neuen AMS und GES-Pflege versorgt werden.
Dazu gehört auch das neue Routenplanungsprogramm „Visitour“, das zurzeit im Probelauf steckt. Die Unternehmensleitung hält daran fest, im Laufe des kommenden Jahres alle Hausbesuchstouren zentral von Hannover planen zu lassen.
Parallel dazu wird die Einführung der DRG-Software „MDK-Express“ vorbereitet. Ab April 2009 ist damit schrittweise zu rechnen. Der elektronische Datenaustausch mit Kranken- und Pflegekassen steht kurz vor der Realisierung. Kräftig programmiert wird an der GES für die Qualitätsprüfungen in den Pflegeeinrichtungen. „Das ist vom Umfang her das aufwendigste Produkt“, erklärt Stefan Seidel vom Stabsbereich Organisationsentwicklung/Controlling.
Die GES für die anderen Anlässe wie Arbeitsunfähigkeit, Rehabilitation und Hilfsmittel usw. werden zum Schluss erstellt. Die komplette Einführung aller neuen IT-Anwendungen wird das gesamte Jahr 2009 noch in Anspruch nehmen. „Ende 2009 werden wir einen Ausstattungsstand erreicht haben, der bundesweit keinen Vergleich scheuen muss“, hält Vespermann fest.
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